(24.03.2026) Im Rahmen des EU-Förderprogramms Erasmus+, Programmlinie Hochschulbildung, hatten wir – Juliane Griesbach, Maike Schneider, Jan-Hendrik Piesker und René Stricker – vom 1. bis 5. September 2025 die Gelegenheit ausgewählte Einrichtungen in den Niederlanden kennenzulernen und Einblicke in die dortige Polizeiarbeit, Drogenpolitik und internationale Zusammenarbeit zu gewinnen. Die zentralen Themen der Woche stellten der Drogenhandel sowie das Phänomen der Geldautomatensprengungen, oder wie die Niederländer sagen: „Plofkrake“, dar.
Der Start in eine spannende Woche
Am Montag, den 1. September, begrüßte uns Herr Gerrit Pronk, internationaler Berater der niederländischen Polizei und Koordinator der Programmwoche, in der National Intelligence Agency der niederländischen Polizei in Zoetermeer, welcher uns auch in den folgenden Tagen begleitete. Zudem begrüßte uns auch Yuji Enomoto vom nationalen Narcotics Control Department Japans, welcher gegenwärtig für ein halbjähriges Forschungsprojekt in den Niederlanden tätig war. Er begleitete uns ebenfalls und erweiterte in vielen Bereichen den sehr interessanten multilateralen Austausch.

Zu Beginn der Woche wurden im Rahmen verschiedener Präsentationen zunächst die niederländische Drogenpolitik, rechtliche Rahmenbedingungen und Strategien im Umgang mit Drogenkriminalität vorgestellt. Besonders interessant war beispielsweise ein gegenwärtig laufendes Experiment zum staatlich kontrollierten Anbau von Cannabis und der damit verbundenen legalen Versorgung von Coffeeshops mit diesem, welche derzeit trotz des legalisierten Konsums durch Schwarzmarkthändler stattfindet. Es startete im April 2025 und soll nach einer Laufzeit von vier Jahren evaluiert werden. Simone van Breda, Präsidentin der Union of coffeeshop retailers in den Niederlanden, ergänzte die staatliche-theoretische Sichtweise später mit ihrer Erfahrung aus der Praxis. Sie teilte mit, dass es den Coffeeshops landesweit zunehmend erschwert wird, ihren Betrieb zu erhalten und dass die vielen regional unterschiedlichen Bestimmungen eine politische Handhabe sowie präventive Aspekte erschweren.

Vom Einsatzort zum Trainingslabor der Polizei
Ein weiteres Pilotprojekt mit dem Titel „Intensifying Forensic Investigations“ präsentierte eindrucksvoll erste Ergebnisse, die durch die digitale Verknüpfung von Spurenanalysen, Crime Script Analysis und Intelligence gewonnen wurden, um Strukturen der organisierten Kriminalität – insbesondere im Bereich illegaler Drogenlabore – besser identifizieren zu können. Auch diesbezüglich wurde uns zu einem späteren Zeitpunkt ein Einblick in die Praxis gewährt. So konnten wir ein neu errichtetes Trainingslabor der Polizei in Rotterdam besichtigen, welches ursprünglich bei einem realen Einsatz festgestellt wurde und zukünftig Kollegen aller Einheiten mit dem Umgang und der Identifizierung solch gefährlicher Räumlichkeiten schulen soll.

Ein weiterer wichtiger Baustein der Niederländischen Drogenpolitik sind die umfassenden präventiven und schadensminimierenden Maßnahmen in Bezug auf Drogenkonsum und -sucht. So wurde uns nach einem Besuch im Trimbos Institut, dem Niederländischen Institute of Mental Health and Addiction, ein Einblick in ein Drug-Checking-Labor, einen Drogenkonsumraum und in ein Housing-First-Projekt in Amsterdam gewährt. Die Relevanz des Community-Policings für die Prävention, aber auch für die Nachbarschaften und die Strafverfolgung wurde dabei in gemeinsamen Gesprächen besonders deutlich.
Jugendprävention gegen Geldautomatensprengungen
Das zweite Schwerpunktthema der Woche, Geldautomatensprengungen, beschäftigt die niederländischen Behörden bereits seit mehreren Jahren und macht ebenso die Relevanz internationaler polizeilicher Zusammenarbeit sowie eines strategisch integrativen Ansatzes mit zivilen Partnern wie Gemeinden und Banken deutlich. In den Niederlanden koordiniert seit 2014 eine nationale Ansprechstelle (SPoC) alle Maßnahmen und dient als nationale sowie internationale Kontakt- und Verbindungsstelle. Die Tätergruppen agieren meist hochorganisiert und stammen überwiegend aus den Niederlanden selbst. In der Regel erfolgt die Sprengung mittels Festsprengstoff, was sie von osteuropäischen Täterbanden unterscheidet. Alleine in den letzten zwei Jahren erbeuteten die Täterbanden etwa 28 Millionen Euro, während Sachschäden von 110 Millionen Euro entstanden. Alarmierend ist, dass die Täter häufig Jugendliche für die Tat rekrutieren. Deshalb legte die niederländische Polizei insbesondere im Bereich der Jugendprävention neue Schwerpunkte.

Bei der Bekämpfung des Phänomens der Geldautomatensprengungen wird in den Niederlanden insbesondere auf interdisziplinäre Ansätze gesetzt. Hervorgehoben wurde unter anderem die enge Zusammenarbeit mit Banken und Sicherheitsdienstleistern, um sowohl die technische Prävention zu verbessern als auch einen schnelleren Informationsaustausch zu ermöglichen. Im Bereich der behördlichen Zusammenarbeit, insbesondere mit Deutschland, wurden vor allem die Einrichtung von SPoCs der Bundesländer und des BKA sowie gemeinsame EMPACT-Projekte, OTFs und JITs thematisiert. Eine daraus resultierende EMPACT-Initiative, die den Transport der für die Tatbegehungsweise genutzten Böller und Sprengstoffe zwischen den Ländern unterbinden soll, ist ein Resultat dieser intensiven Zusammenarbeit.
Fazit
Die im Rahmen des Erasmus+ Programms der EU durchgeführte Mobilität bot uns eine einzigartige Gelegenheit, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und eine vollkommen neue Perspektive einzunehmen. Durch den offenen Austausch mit unseren niederländischen Kolleginnen und Kollegen konnten wir wertvolle Einblicke in die unterschiedlichen Arbeitsweisen, Strategien und Organisationsstrukturen gewinnen. Besonders beeindruckend war, wie selbstverständlich die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen behördlichen und zivilen Partnern erfolgte – sei es im Bereich Prävention, Ermittlungsarbeit oder strategische Planung.
Neben den fachlichen Erkenntnissen stand ebenso der persönliche Austausch im Vordergrund. Die gemeinsamen Gespräche und Diskussionen stärkten das gegenseitige Verständnis, insbesondere auch im Hinblick auf kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Wir alle empfanden den Aufenthalt sowohl dienstlich als auch privat als sehr gewinnbringend, und ganz nach dem Motto "Borders divide countries, not the cooperation" (Zitat Gerrit Pronk) appellieren wir an alle Interessierten, selbst die Möglichkeit einer solchen Erfahrung zu nutzen.
Die finanzielle Unterstützung erfolgt durch die Europäische Union.







